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Noch ein HBK und seine Exilregierung
Der Österreichische Widerstand gegen FPÖVP treibt seltsame Blüten - aus einer
wuchs am 22. Februar gar ein Flüchtlingscamp. Und es ist nicht nur unter
organisationen.freepage.de/exilregierung-austria im Internet zu
finden, sondern auch wahrhaftig im 23. Wiener Gemeindebezirk in der
Fröhlichgasse. Decken, Zelte und Flüchtlinge gibt es dort keine, noch nicht,
wenn man den Worten von Peter Ambros, 48, etwas Glauben schenken will.
Unter dem Pseudonym Retep Sorbma - die Einfachstverschlüsselung seines Namens
- hat sich der im Foto- und Filmbereich tätige Geschäftsmann nämliche
Web-Site geschaffen und sich auch gleich, sehr medienwirksam, zum
Exil-Bundeskanzler ausgerufen. Diverse Prostest-Seiten sind bereits auf den
Exil-Zug aufgesprungen. Das Flüchtlingscamp ist ein derzeit verwaistes
Filmgelände, wo es ein Klo gibt und Regierungs-"Flüchtlinge" im Notfall
durchaus Unterschlupf finden können - auch Decken und Zelte werden dann
bereitgestellt. "Ein paar Chaoten waren schon da und haben sich umgeschaut",
sagt Ambros, "zerstört haben sie nichts." Geblieben sind die zehn aber auch
nicht.
Ansonsten dürfte sich das surfende Österreich, immerhin 10.000 Zugriffe seit
22. Februar, eher für das von Ambros geschaffene Service
"Auswanderungsanträge" interessieren. Von 200 Interessenten, meist im Alter
um die dreißig, haben es laut Ambros zumindest einhundert ernst gemeint und
ziehen ein Leben in Australien - nicht zuletzt wegen der namentlichen
Verwandtschaft im Englischen - vor.
Wie ernst es Exil-Bundeskanzler Peter Ambros mit seiner Web-Site und den
darauf angebotenen Gusto-Stückerln für Regierungs-Gegner ist, zeigt schon mal
sein Exil-Regierungssitz im Ausland. Die angegebene Nummer ist jene der
österreichischen Botschaft in Brüssel, die sich sicherlich über zahlreiche,
wohlwollende Anrufe freut (zumal die Nummer derzeit in Brüssel wohl weniger
attraktiv ist). Das Weiterleiten der Auswanderungsanträge nimmt Peter Ambros
nicht nur mit Humor, er tut es wirklich - per e-mail werden die Anträge an
die jeweiligen Botschaften weiterversandt. Das Ausstellen von
Diplomatenpässen - 50 wurden angefordert - sollte eher unter den Punkt
Ambros-Humor fallen. "Wenn Niederösterreichs Landeshauptmann Ludwig alle
Auslandsösterreicher als Botschafter sehen will, kann ich auch Pässe
ausstellen."
Diese ganze Mühe nimmt der vielbeschäftigte Peter Ambros, der "keine Zeit zum
demonstrieren hat", auf sich, weil er - wie er glaubt und stolz verkündet -
etwas wieder gutzumachen hat. Deshalb auch sein Pseudonym: "Ich wollte vom
Saulus zum Paulus werden", sagt Ambros und fügt ein, aus seinem einstigen
Theologiestudium erhaltenes, Zitat hinzu: "Man wird nicht dafür bestraft, was
man tut, sondern dafür, was man nicht tut."
Was also hat Peter Ambros getan, dass er vom Saulus wieder zum Paulus werden
will und das auch noch öffentlich?
Er hat im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte die FPÖ gewählt. Davor war er
noch braver ÖVP-Wähler. Doch auch er, man kennt das ja inzwischen, "wollte
frischen Wind ins Parlament bringen."
Umso mehr ist er nun geschockt, "dass aus dem frischen Wind ein Sturm
geworden ist, und sich die FPÖ nun zum Futtertrog vorkämpft."
Und darum ist es ihm nun wichtig, etwas "Gutes" zu tun. "Schließlich will ich
nicht am Ende meines Lebens sagen müssen: Ich hatte die Möglichkeit etwas zu
tun und habe es nicht getan." Erstaunlich ist freilich, dass jemand der lesen
kann und danach noch die FPÖ wählt, nicht schon vor dem Kreuzerl Böses ahnt.
Statt es nach der Wahl und der Regierungsgbildung wieder ungeschehen machen zu
wollen. "Die Wahlprogramme der Parteien wurden doch noch nie eingehalten",
kontert Ambros, wenn er auf die Forderungen der FPÖ angesprochen wird.
Freilich auch so kann das Wahlverhalten vieler Österreicher erklärt werden
oder halt mit dem "frischen Wind".
Und wenn jetzt alle, die das blaue Übel gewählt haben und gar unglücklich
darüber sind, wie jene jetzt ihre Privilegien ausnutzen, eine Web-Site mit
ähnlichen Inhalten einrichten, dann steht es wahrlich traurig um unser Land.
Nein, Herr Ambros, damit machen sie nichts wieder gut. Und wahrscheinlich
machen sie es damit nur noch schlimmer - diese Art von Humor trägt nichts zum
ernsthaften Prostest bei, der seinen eigenen Galgenhumor aus der Wirklichkeit
bezieht. Und ehrlich gesagt, stelle ich mir persönlich die Wahl eines
Bundeskanzlers anders vor. Genau wie die Wahl eines Exil-Kanzlers. Merke:
wählen ist nicht das Problem. Mancher Schmäh tut auch weh!
Auf Ihrer Web-Site und damit in aller Öffentlichkeit haben Sie sich zum
Exil-Bundeskanzler Österreichs ausgerufen, aber Sie haben uns nicht gefragt.
Meine Antwort: Herr Ambros, wir sind das Volk und wir wollen auch weiterhin
entscheiden, wer uns vertritt!
Schön, dass uns für die nächste Wahl, laut Ambros, kein blaues Wunder mehr
erwartet: "Ich würde grün wählen. Die werden eine große Mehrheit bekommen."
Sophie-Therese Fielhauer, am 27. Februar 2000 |
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