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die demokratie einer skifahrernation*
polemik von piefke 3000
die freude der österreicher währte nur kurz, sich schadenfroh zu laben an den zu einem immer tieferen sumpf anschwellenden aufdeckungen regelmäßig getätigter unregelmäßigkeiten in sachen parteienfinanzierung der sonst doch immer so korrekten deutschen. nun koennte deutschland im gegenzug selbst mit gewisser häme und dem lustigen finger auf den östlichen wurmfortsatz zeigen, angesichts dessen regierungsbildungsfarce: seht, es muss wohl was dran sein, das greuel entsprang, das greuel entspringt doch an dieser stelle.
aber die deutschen scheinen aus ihrer geschichte doch etwas gelernt zu haben. denn die korruptheit eines ehemaligen deutschen dauerkanzlers und seiner zöglingspartei trennen lichtjahre von der korrupten gesinnung mindestens eines drittels einer nation, die weder über den verlust des kaiserreichs noch über seine vermeintliche opferrolle im dritten reich hinweggekommen zu sein scheint - und der mehrheit seiner politiker, die in zwei dutzend jahren dieser selbstmitleidigen identitätskrise durch eine majestätisch ruhende, ja: unbewegliche politik schwanzwedelnd entgegengekommen ist.
es mag selbstgerecht klingen, aber ein parteispendenskandal, auch in dieser typisch deutschen größenordnung, ist "nur" eine innenpolitische affäre. die machtergreifung einer rechtsgelagerten, ausländerfeindlich-verführerischen partei "durch die jackenärmel des mutmaßlichen nächsten kanzlers" (so die süddeutsche zeitung am 28. januar) innerhalb der europäischen union im jahre 2000 ist dagegen keine, darf keine sein.
es grenzt für mich an höfische arroganz, wenn eine staatssekretärin der machthungrigen österreichischen volkspragmatiker (mittlerweile laut umfragen keine schüsselpartei mehr, sondern eher als vaserlpartie zu bezeichnen) den internationalen aufschrei der besorgnis als "überzogen" kommentiert und sich ein solches verhalten als einmischung in die inneren angelegenheiten österreichs verbittet bzw. als "schützenhilfe sozialdemokratischer kollegen für ihren parteifreund" diffamiert (von den gewohnten, aber nicht minder absurden verschwörungstheorien eines "weltgutmenschentums" aus den lagern der selbsternannten erneuerer will ich lieber gar nicht schreiben).
sich in einem atemzug dann noch klar für einen pro-europäischen kurs auszusprechen, das vermag eben nur ein politikerinnenhirn zu vollbringen. kein wunder aber, liefert uns doch gerade ihre partei ein paradebeispiel, wie weitläufig sich politische positionen interpretieren lassen: wer hätte am abend des 3. oktobers 1999 schon gedacht, dass die drittplazierte kraft auf der nach unten offenen gelichterskala nicht nur nicht (wie doch eigentlich angekündigt) die rolle der opposition übernehmen, sondern sogar den kanzler stellen würde?
ein guter freund nannte sowas "fast schon einen staatsstreich". nur liegt, und darauf wird großen wert gelegt, ja alles zutiefst demokratischen prinzipien in einem in der eu fest verankerten demokratischen staat zugrunde. immer ein merkwürdiges gefühl wert, wenn so stark hervorgehoben werden muss, was selbstverständlich sein sollte.
das hilft uns und österreich aber auch nicht weiter. denn dieses land scheint in eine politische sackgasse manövriert worden zu sein, ob nun aus verwöhnter fahrlässigkeit oder bequemer absicht. es wird sich entscheiden müssen, ob es sich aus dieser pattsituation durch innen- oder außenpolitische isolation befreien will. oder es geschieht doch noch ein wunder. die katholische kirche hüllte sich aber bisher auch nur in schweigen.
einen positiven effekt hat die ganze misere jedenfalls trotz allem: die welt, das so befremdliche ausland, blickt wieder auf österreich - österreicher sind wieder wer. ob sie sich daran allerdings länger und vor allem wirklich freuen dürfen, ist so gesehen mehr als fragwürdig.
*zitat des wiener philosophie-professors konrad paul liessmann über die bemühungen zur bildung einer österreichischen regierung.
piefke 3000 lebt und arbeitet in wien als willkommener ausländer (zahlt steuern, ist nicht wahlberechtigt). |
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