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ZUR SACHE 20/02/00:
herr gusenbauer sitzt im studio und stellt sich den fragen von politologen und journalistInnen. entspannt, in der ersten haelfte der sendezeit noch nicht mal eine hand ruehrend, spricht er, ausserordentlich selbstbewusst, von denen, die scharz oder blau gewaehlt haben, weil sie eine veraenderung wollten und die jetzt enttaeuscht werden wuerden, und die nun genau zwei moeglichkeiten haetten: ins lager der nichtwaehler zu gehen, oder aber wieder zu den sozialdemokraten zurueckzukommen. und dabei versprueht er auch noch einen charme!
natuerlich hat der designierte neue parteichef gut lachen. kein direkter verlierer in der letzten regierung, den man mit vorwuerfen fassen koennte (mein(e) vorgaenger hat/haben...; etc.), sowie moralisch gestaerkt von der gestrigen grossdemonstration ("ich war auf keiner buehne, sondern bin gleichberechtigt (=?) mitgegangen"*), macht er einfach eine bessere figur als unser erschoepft und ausgelaugt aussehender ungeliebter und isolierter neuer kanzler - und natuerlich auch als der sozusagen "gescheiterte", ebenso alt aussehende, scheidende klima.
irgendwo, ach ja: in einem OE1-mittagsjournal wurde gusenbauer vorgestellt als: "viele sehen in ihm ein urgestein der sozialdemokratie", und dies stuende eigenartigerweise offenbar in keinem widerspruch zu seinem vergleichbar geringen alter. das war die formulierung, die mir gefehlt hat, wie ich immer wieder in argumentationsnotstand geraten bin darueber, warum ich mich freue, dass die SPOE nun mit diesem gesicht auftritt.
moeglicherweise ist das ein ganz verwischtes irrationales gefuehl von: "moegen die guten alten zeiten wiederkehren" mit einem, der sosehr nach "guter alter sozialdemokratie" wirkt - ich halte es fuer moeglich, dass nicht nur ich aus "diesem bauch" heraus fuer gusenbauer war, vielleicht war diese rueckwartsgerichtete sehnsucht unerkannt auch innerhalb der ihn aufstellenden SPOE vorhanden?
fuer welche inhalte er wirklich steht oder stehen wird, das wird sich zeigen. im interview jedenfalls hat er betont, frauen besonders gut vertreten zu wollen (was eine heftige diskussion entbrennen liess angesichts des SPOE-programms, bis 2003 eine innerparteiliche frauenquote von 40 prozent erreichen zu wollen. schoen und gut, war die kritik: aber das geht nicht weit genug. er darauf sehr politikerhaft: ist aber besser als das, was die anderen parteien zu bieten haben.) (ausserdem natuerlich die "und warum sitzt nun nicht eine frau an ihrem platz?"-diskussion). ausserdem muesse sich die SPOE die arbeitnehmer zurueckholen (er hat sicher nur gesagt: man muesse sich um sie kuemmern. verstaerkt arbeitnehmerinteressen vertreten, usw.)
wenn er nur nicht so inflationaer das wort: diese bundesregierung, die bundesregierung, die neue bundesregierung... verwendet haette, das war schon ziemlich unertraeglich, und ich haette was darum gegeben, einmal das schlichte wort "regierung", singulaer dastehend, zu hoeren...
ebendiese wiederum machte ihrem image gleich wieder alle ehre, indem erst der herr hojak-westenthaler zweimal anrief/ mailte, und dann, nach dessen vorbild auch noch zweimal der herr khol, um aussagen gusenbauers zu pensionen, steuern, lohnnebenkosten, sparen und was auch immer gleich zu dementieren, schuld auf die SPOE hinueberzukarren und sich ueberhaupt wie die kleinkinder aufzufuehren, was ihnen auch allgemeines kopfschuetteln am diskussionstisch und herablassende haltung der diskussionsleiterin einbrachte. gusenbauer uebrigens reagierte ausgesprochen souveraen-unberuehrt ("ich gedenke nicht im geringsten, mich darauf einzulassen"), was ungemein wohltuend wirkte. doch doch, der kann mit dieser neuen form der oesterreichischen politikfuehrung schon mithalten. was er auch unter beweis stellte , indem er (wohl schon zum tausendsten mal in seiner doch noch so jungen existenz im bad einer breiten oeffentlichkeit, also kurz:) ueber die FPOE gesagt hat, diese partei mache einzig mit den mitteln der luege und der verleumdung politik (was ja auch stimmt, klar), wofuer er eine ruege wegen ebensolcher (verleumdung)(gegen nichtanwesende) von der diskussionsleiterin erhielt. - aber so funktioniert das ja nach den neuen regeln, oder? ich prangere an, werde zurechtgewiesen, schweige dann, aber das gesagte sitzt schon und wirkt in den koepfen der zuhoerer nach.
also: das kann er auch.
no, eines ist klar: der herr neue-SPOE-spitze bezieht eine klare anti-FPOE-stellung und ist genauso wie in guten alten tagen frau heide schmidt in der lage, damit in diskussionen nicht unterzugehen, sondern stark gegenzuhalten. das macht hoffnung.

* warum eigentlich muss heute jedeR anstaendigeR roteR oder grueneR betonen, dass er/sie demonstrieren war - waehrend ein polizeiobmann sich rechtfertigen muss, er habe nur seine tochter abgeholt, wie ihn wer auf einer demonstration gesehen hat? ich empfinde das als ausdruck fuer die spaltung dieser gesellschaft als sehr bedenklich!!