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Le
Monde Diplomatique 557 - August 2000
UNSER FOLGENDES PROGRAMM: OXYMORON!
Die rechten Intelektuellen und der Liberalfaschismus
In Mexiko hinterlässt die Niederlage der Partei der institutionellen Revolution (PRI), die seit 71 Jahren an der Macht war, das Land in einem Zustand der Destabilisation. Der Sieg von M. Vicente Fox, von der Partei der Nationalen Aktion (PAN) hat ein wahres Erdbeben bewirkt. Der Fall der PRI stellt das Ende eines Machtstils dar, der auf Betrügereien und Korruptionen begründet war. Aber der Erfolg der PAN, von der Tradition her ultrakatholisch und proamerikanisch, wie gestern in Österreich die Partei von Jörg Haider, oder morgen in Italien die Partei von M. Silvio Berlusconi, der mit M. Gianfranco Fini alliiert ist, bedeuten das Aufkommen einer neuen Rechten auf internationaler Ebene, das widersprüchliche Gemisch zwischen extremer Rechter und Neoliberalismus. Der Subcommandante Marcos erinnert in diesem Kontext, dem der "fragmentarischen Globalisierung", dass sich darin die Geburt dieser neuen Rechten abspielt.
Vom Subcommandante Marcos
"Von der Gestalt Oxymoron stammen Zusammenfügungen von Wörtern, in denen das Erste dem Zweiten zu widersprechen scheint.So sprechen die Gnostiker vom obskuren Licht; die Alchimisten von der schwarzen Sonne."
Jorge Louis Borges
Warnung, Versprechen und Einleitung
Achtung! Falls Sie den Epigraph noch nicht gelesen haben sollten, dann sollten Sie das jetzt tun; sonst werden Sie nichts begreifen.
Eine unumstössliche Tatsache: die Globalisierung ist da. Ich verurteile das nicht, ich stelle nur eine Tatsache fest. Aber da wir von Oxymoron gesprochen haben, ist es notwendig zu verstehen zu geben, dass es sich um eine "fragmentarische Globalisierung" handelt.
Die Globalisierung wurden durch zwei Revolutionen möglich: eine technologische und eine informatische. Geleitet wird sie von der Macht des Geldes. Aber in der Hand haben die Technologie und die Informatik (dazu noch das Finanzierungskapital) die Entfernungen aufgelöst und die Grenzen niedergerissen. Es ist von nun an möglich an eine Information auf irgendeinem Ort der Welt zu einem jeden Moment heranzukommen. Das Geld hat nun die Gabe allgegenwärtig zu sein; es kommt und geht auf eine schwindelerregende Weise, wie wenn es überall zur selben Zeit wäre. Und dadurch verleiht es der Welt einen neuen Aspekt - dem eines Marktes, eines Megamarktes.
Trotz der "Globalisierung", oder auch wegen ihr, ist die Homogenität wohl weit davon entfernt, das vordergründige Charakteristikum dieses Planeten zu sein. Die Welt ist ein Archipel, ein Puzzle, und von diesem Puzzle gehört wiederum ein jedes Stück zu einem anderen Puzzle, und schliesslich ist die einzige Sache, die globalisiert ist, die Heterogenität.
Auch wenn die Technologie und die Informatik die Welt geeint haben, hat die Macht des Geldes diese auseinandergebracht, indem sie sich ihrer so wie einer Waffe bedient hat. Die Globalisierung ist ein Weltkrieg, der vierte , ist ein Mechanismus der Zerstörung/Entvölkerung und des Wiederaufbaus/der Wiederherstellung auf einem neuen Fundament, und dieser vierte Weltkrieg erstreckt sich über den ganzen Planeten. Um eine "neue Weltordnung" zu konstruieren (global, permanent, sofort und immateriell, gemäss Ignacio Ramonet), zerstört die Macht des Geldes die Grenzen; zu diesem Ziele führt sie einen Krieg von einem neuen Typus. Sie zerstört die nationale Ökonomie, die Basis der Staatsnation. Letztere befindet sich auf dem Wege des Aussterbens. An ihre Stelle treten die integrierten Märkte, oder besser ausgedrückt, die dem Weltmarkt, einem grossen " Welt-Einkaufszentrum" untergeordneten Gebilde.
Konsequenz: Schöpfungen des Oxymoron: Immer weniger Menschen besitzen immer mehr Reichtümer, die von immer mehr Arbeitern produziert werden, die ihrerseits immer ärmer sind. Wie es John Berger sagt, "die Armut in unserem Jahrhundert kann mit keiner anderen verglichen werden. Sie ist kein natürliches Resultat, wie zu anderen Zeiten, wo sie eine Rarität war, sondern eine Konvergenz der Prioritäten, die von den Reichen dem Rest der Welt auferlegt werden ". Der Planet ist einladend für einige Mächtige, während Millionen von Migranten herumirren, ohne zu wissen, wo sie sich niederlassen können. Das organisierte Verbrechen bildet die Wirbelsäule des Justizsystems und die Regierungen (die Outlaws machen die Gesetze und halten die "öffentliche Ordnung" aufrecht) und die globale "Integration" vergrössert die Anzahl an Grenzen.
Die Charakteristiken des gegenwärtigen Zeitalters sind: Vorherrschaft der Macht des Kapitals, technologische und informatische Revolution, Krieg, Zerstörung/Entvölkerung und Wiederaufbau/Wiederherstellung, Angriffe gegen die Staatsnationen, Umdefinierung der Macht und der Politik: der Markt, der in Form von vorherrschender Hegemonie errichtet wurde, dominiert in allen Lebenslagen, eine verstärkte Konzentration des Reichtums in den Händen einer kleinen Anzahl an Personen, eine grosse Verteilung an Armut, Verstärkung der Ausbeutung und der Arbeitslosigkeit, Exil von Millionen von Menschen, territoriale Desintegration, Regierungen von Verbrechern. In zwei Worten: fragmentarische Globalisierung.
Was die Intellektuellen betrifft so muss man sich folgendes fragen: haben sie unter dem Phänomen der Destruktion/der Entvölkerung und dem Wiederaufbau/der Wiederherstellung gelitten? Welche Rolle spricht ihnen die Geldmacht zu? Wie verwenden sie (oder werden sie von ihnen benützt) die Vorteile der Technologie? Welche Rolle nehmen sie in diesem Krieg ein? Welche Verbindungen haben sie zu den Staatsnationen? Wie ist ihr Verhältnis zur Macht und zur Politik, die auf diese Weise umdefiniert wird? Welche Position nehmen sie angesichts der Konsequenzen der Globalisierung ein? Kurz gesagt, wie fügen sie sich in die fragmentarische Globalisierung ein?
Die Absicht dieses Textes ist es, die Polemik zwischen den Linksintellektuellen und den Rechtsintellektuellen anzuregen, sie lässt darum eine tiefgründige Überlegung über die Intellektuellen und die Macht, über die Intellektuellen und die Veränderungen, offen.
Gut. Salut und behalten Sie Ihre Fernsteuerung in der Hand. Wir werden in einem Augenblick beginnen...
I. Die Globalisierung: "pay per view"
Am Verbindungsstück des Kalenders zögert das Jahr 2000 zwischen dem 20. und dem 19. Jahrhundert. Das scheint der Vervielfältigung des Oxymorons Vorschub zu leisten. Man sagt zum Beispiel, dass die Epoche den Anfang des Endes bedeuten würde, oder das Ende des Beginnes einer Sache. Alles scheint schon einmal da gewesen zu sein, genauso wie man einen alten Film mit anderen Bildern und anderen Akteuren versieht, aber wo das Szenario gleich bleibt. Wie wenn die "Modernität" (oder "Postmodernität", ich lasse die Mühe der Präzisierung jedem über, der sich dazu die Mühe gibt) der Globalisierung sich mit seinem Oxymoron ausstatten würde und sich uns mit einer archaischen Modernität präsentierte...
Die Welt ist nicht viereckig, das ist es zumindest, was man uns in der Schule beibringt. Aber am Vorabend zum Übergang in das 3. Jahrtausend kann man sagen, dass sie rund auch nicht ist. Ich weiss nicht, welche geometrische Figur adäquat sein würde, um die aktuelle Form der Welt zu präsentieren, aber wenn man den Umstand berücksichtigt, dass wir uns im Zeitalter der numerischen Kommunikation befinden, könnte man dazu geneigt sein, sie wie einen gigantischen Bildschirm zu definieren. Sie könnten hinzufügen: "ein Fernsehbildschirm", während ich für "eine Kinoleinwand" optieren würde. Nicht nur weil ich dem Kino den Vorzug gebe, sonder auch (und das vor allem), weil es mir so scheint, als ob sich vor uns ein Film abrollen würde, ein alter Film, modern-alt (um mit den Oxymorons fortzufahren).
Das ist einer dieser Bildschirme, wo man die simultane Aufführung von zahlreichen Bildern programmieren kann, die in sich eingefasst sind (sie nennen das "Bild in Bild). Im Falle der globalisierten Welt handelt es sich bei den Bildern um die vier Ecken des Planeten. Es gibt da nicht alle Bilder. Nicht weil auf dem Bildschirm zu wenig Platz ist, sondern weil "jemand" diese Bilder anderen vorgezogen hat. Das will besagen, dass wir einen Bildschirm betrachten, wo zahlreiche Rahmen simultan die Bilder von unterschiedlichen Teilen der Welt darstellen - das ist gewiss - aber die ganze Welt ist da nicht drauf.
Wenn man an diesem Punkt angelangt ist, fragt man sich unvermeidlich "Wer kontrolliert diesen Bildschirm von der Ferne aus?", "Wer steuert die Programmierung?". Gute Fragen, aber Sie werden hier keine Antwort finden. Da wir nicht über ihre Exaktheit nicht sicher sind, ist das hier nicht Gegenstand.
Da es uns nicht möglich ist, den Sender oder das Kino zu wechseln, beobachten einige die unterschiedlichen Rahmen, die ineinander gehen, die uns der Mega-Bildschirm der Globalisierung vorschlägt.
Zum Beispiel der vom amerikanischen Kontinent. Sie haben in einem Winkel das Bild der autonomen nationalen Universität von Mexiko (UNAM), die von einer paramilitärischen Einheit besetzt ist: die präventive Staatspolizei. Diese Männer in ihren grauen Uniformen sind nicht da, um zu studieren. Weiter entfernt, vor dem Hintergrund der Berge in Süd-Ost-Mexiko durchquert eine Panzerkolonne eine indigene Gemeinde in Chiapas. Auf der anderen Seite zeigt das graue Bild einen nord-amerikanischen Polizisten, der mit exzessiver Gewalt einen Jungen festnimmt; der Schauplatz dafür könnte Seattle oder Washington sein.
Im europäischen Rahmen werden die Grautöne ebenfalls vielfach dargestellt. In Österreich ist das Jörg Haider mit seiner pro-nazistischen Leidenschaft. In Italien richtet Silvio Berlusconi seine Krawatte zurecht. In Spanien schminkt Felipe Gonzalez Jose Maria Aznar. In Frankreich lächelt Le Pen. Asien, Afrika und Ozeanien präsentieren ebenfalls die selbe Farbe Grau, die sich wiederholt.
Mmh... So viel grau... Mmh... Wir können aufbegehren... Schliesslich haben sie uns ein farbiges Programm versprochen... Machen wir wenigstens den Ton lauter und versuchen wir zu begreifen, was immer es auch sei...
II. Ein Vergessen, an das man sich erinnern kann
Die Intellektuellen haben eine eigene soziale Realität. Das reicht bis zu den ersten Schritte der menschlichen Gesellschaft zurück. Aber unsere archäologischen Kenntnisse, die Intellektuellen betreffend sind nicht weitreichend; wir beschränken uns also auf die aktuelle Epoche. Was wir versuchen zu enthüllen, ist die Funktion, die sie heutzutage ausüben.
"Die Intellektuellen als Kategorie", schreibt Umberto Ecco, "sind ein sehr vages Konzept, und das weiss man sehr gut. Andererseits kann man umso besser definieren, was die "intellektuelle Funktion" ist - sie besteht daraus, auf eine kritische Weise festzulegen, was wir als eine zufriedenstellende Annäherung an das Konzept der Wahrheit betrachten. Ein Jeder kann sie entwickeln, sogar ein Ausgeschlossener, der über seinen eigenen Zustand nachdenkt und sie auf eine gewisse Weise ausdrückt, während sie von einem Schriftsteller verraten werden kann, der auf die Ereignisse mit Leidenschaft reagiert, ohne sich dabei die Mühe der Reflexion anzutun . "Die intellektuelle Arbeit ist also analysierend und kritisch. In gesellschaftlichen Fragen (um sich auf ein Gebiet zu beschränken), analysiert der Intellektuelle die Offensichtlichkeit, das Bejahende und das Negative, auf der Suche nach dem Zwiespältigen, was weder die eine noch die andere Sache ist (obwohl das dem ähnlich zu sein scheint), und enthüllt (kommuniziert, enthüllt, stellt dar), was nicht evident ist, oder manchmal sogar das Gegenteil des Naheliegenden.
Nach Norberto Bobbio, "die Intellektuellen sind alle diejenigen, deren Transmission von Nachrichten die gewohnheitsmässige und bewusste Beschäftigung ist (...), und um es auf eine brutale Weise zu sagen - ist es das auch während der meisten Zeit, wie sie ihr Geld verdienen". Überlassen wir die Annäherung an den Intellektuellen den Professionellen der kritischen Analyse.
Wir wissen auch, dass der Intellektuelle nicht immer die intellektuelle Aufgabe erfüllt. "Die intellektuelle Funktion wird immer mit einer Antizipation ausgeführt (auf die sie verzichten könnte) oder mit Zurückhaltung (auf die sie verzichtet hat); selten auf das, was gerade dabei ist, zu geschehen, wegen der Gründe des rhythmischen Ablaufs, da die Ereignisse immer schneller sind und zwingender als die Reflexion über die Geschehnisse ."
Dieser professionelle Analytiker wäre eine Art von impertinentem sozialen Gewissen. Ein Nonkonformist, mit allem im Missklang, mit den politischen und sozialen Kräften, mit dem Staat, mit der Regierung, mit den Medien, mit der Kultur, mit der Kunst, mit der Religion, und mit allem, was der Leser wünschen würde. Falls der soziale Akteur sagt "das genügt!", würde der skeptische Intellektuelle murmeln "Das ist zuviel", "Das reicht nicht".
Der Intellektuelle kritisiert die Unbeweglichkeit, fordert die Veränderung, den Fortschritt. Aber er ist dennoch selbst in eine polarisierte Gesellschaft eingefügt, er ist angriffen ausgesetzt, er ist steht zwischen denen, die die Macht nützen, damit sich die Dinge nicht ändern, und denjenigen, die für die Veränderung kämpfen. "Der Intellektuelle muss begreifen, um der Lächerlichkeit zu entgehen", schreibt Manuel Vázquez Montalbán, er ist nicht mit der Mission eines Geisteszauberers ausgestattet, um den herum sich der reelle Sinn, oder auch nicht, der Geschichte bewegt, aber er hat Kenntnisse (...), die ihn auf die eine oder andere Weise mit der Geschichte verbinden können. Diese Kenntnisse können ihm entweder bei der Suche nach der Verdeutlichung der gegenwärtigen Ungerechtigkeiten helfen, wie sie sich auf der Welt präsentieren, oder sie können aus ihm einen Komplizen des ihn umgebenden lähmenden Konformismus machen."
Der springende Punkt liegt dort, wo der Intellektuelle zwischen seiner intellektuellen Funktion und der Funktion wählt, die er den gesellschaftlichen Akteuren vorschlägt. Hier verläuft auch die Grenze und Front zwischen den progressiven Intellektuellen und den Reaktionären. Die Einen wie die Anderen gehen ihrer Arbeit der kritischen Analyse nach, aber während sich die Progressiven sich in die Kritik der Immobilität versteifen, der Dauerhaftigkeit, der Hegemonie und der Homogenität, kritisieren die Reaktionäre die Veränderung, die Bewegung, die Auflehnung und die Vielfältigkeit. Der reaktionäre Intellektuelle "vergisst" auf einer Seite immer seine intellektuelle Aufgabe, schwört der kritischen Reflexion ab, und sein Gedächtnis schrumpft in sich zusammen, womit er keine Vergangenheit mehr hat und auch keine Zukunft. Nur die Gegenwart und das Unverzügliche sind erreichbar, wenn es nach ihm geht, und dies ist obendrein indiskutabel.
Indem wir sagen "progressive Intellektuelle und reaktionäre Intellektuelle" beziehen wir uns auf die Intellektuellen "der Rechten und der Linken". Hier soll hinzugefügt werden, dass der linke Intellektuelle seine intellektuelle Funktion ausübt, seine kritische Analyse, auch wenn er der Linken gegenüber steht (sozial, Anhänger, ideologisch); aber in unserer Zeit zielt seine Kritik grundlegend auf die hegemoniale Macht: der Macht der Herren des Geldes und deren, die ihnen dienen.
Lassen wir für den Moment die progressiven und linken Intellektuellen, und interessieren wir uns für die Reaktionäre, für die Rechtsintellektuellen.
III. Der intellektuelle Pragmatismus
Am Anfang waren die grossen Intellektuellen der Rechten progressiv. Ich rede von den Riesen, nicht von den Zwergen. Octavio Paz, der grösste der Rechtsintellektuellen dieser letzten Jahre in Mexiko hat erklärt: "Ich komme gerade von daher, was man das Denken der Linken nennt. Dieses Denken war für meine Ausbildung sehr wichtig. Jetzt weiss ich nicht... Was ich weiss ist, dass meine Dialoge - manchmal meine Diskussionen - mit ihnen stattfinden. Ich habe den anderen nicht allzu viel zu sagen ." Dieser Fall wie bei de Paz wiederholt sich auf dem gigantischen globalen Bildschirm.
Der fortschrittliche Intellektuelle wird für die vorherrschende Macht zum Objekt und Objektiv - ein käuflicher Gegenstand und ein Mittel zur Zerstörung. Eine Vielzahl an Mitteln werden ins Spiel gebracht, und das für das eine oder andere Ziel. Der progressive Intellektuelle wird in Mitten dieses bedrängenden und verführenden Milieus "geboren". Manche widerstehen (häufig allein; die Solidarität scheint kein Charakteristikum des progressiven Intellektuellen zu sein), aber andere, die davon überzeugt sind, dass die Globalisierung "unvermeidlich" ist, suchen in ihrer Ideenschachtel und finden eine Begründung, um die Macht zu legitimieren. Angesichts der neuen Situation erscheint es dann opportun das Argument der "unvermeidlichen Situation" anzuführen. Das System bietet ihnen daraufhin einen bequemen Lehnstuhl (manchmal nimmt dieser die Form einer Subvention an, eines Postens, eines Preises oder eines Privilegs) an der Seite des Prinzen, der gestern noch so kritisiert worden war.
Die "unvermeidlichen Situation" hat einen Namen: "fragmentarische Globalisierung", der einzige Gedanke - soll heissen: "Die Übersetzung in ideologische Begriffe und das Vorgeben von universellen Interessen einer Gemeinschaft von wirtschaftlichen Kräften, vor allem denen des internationalen Kapitales ; Ende der Geschichte, Allgegenwärtigkeit und Allmächtigkeit des Geldes, Ersetzung der Politik durch die Polizei, die Gegenwart wie die einzig mögliche Zukunft, Rationalisierung der sozialen Ungleichheit, Rechtfertigung der übertriebenen Ausbeutung der menschlichen Wesen und der natürlichen Ressourcen, Rassismus, Intoleranz, Krieg.
In einer Epoche, die von zwei Paradigmen gekennzeichnet ist, Kommunikation und Markt, versteht der Rechtsintellektuelle (und der Ex-Linksintellektuelle), was das "Modernsein" bedeutet, es bedeutet der Weisung Folge zu leisten: Passen Sie sich an, oder Sie verlieren Ihre Privilegien!
Es ist nicht notwendig, dass der Rechtsintellektuelle originell ist, er folgt dem einzigen Denken. Ein Denken, das seine grundlegenden "Quellen" in der Weltbank findet, beim internationalen Geldfonds, bei der Organisation für Zusammenarbeit und wirtschaftliche Entwicklung, bei der globalen Handelsorganisation, die, durch ihre Finanzierung, zum Dienste ihrer Ideen verpflichten, und das quer über den ganzen Planeten, den zahlreichen Forschungszentren, den Universitäten und Stiftungen, die dann ihrerseits die gute Neuigkeit entwickeln und verbreiten.
Auf diese Weise kommen die Eliten zur Blüte, die "seit Jahren sich total dafür hergeben, dem "einzigen Gedanken" eine Lobeshymne zu singen". Sie üben auch eine authentische Erpressung gegen eine jede Art von kritischer Überlegung im Namen der "Modernisierung", des "Realismus", der "Verantwortlichkeit" und der "Vernunft" aus. Das bestätigt den "unbekämpfbaren Charakter" der gegenwärtigen Entwicklung der Dinge, die eine intellektuelle Kapitulation vorhersagt, und die alle diejenigen in die undurchdringliche Dunkelheit des Irrationalen schleudert, die sich weigern, zu erkennen, "dass der natürliche Zustand der Gesellschaft der Markt ist".
Weit entfernt von der Reflexion, vom kritischen Denken, werden die Rechtsintellektuellen Pragmatiker par Excellenze, verbannen die intellektuelle Funktion und machen sich zum Echo der publizitären Nachrichten, die den Megamarkt der fragmentarischen Globalisierung überschwemmen. Sie erwerben neue "Tugenden" (der Oxymoron bezeugt das): eine feige Waghalsigkeit und eine tiefschürfende Oberflächlichkeit. Sie glänzen durch ihre "Analysen" der globalisierten Gegenwart und ihrem Revisionismus angesichts der Geschichte. Die Türme aus Panzerglas der Hegemonie und des Geldes schützen sie. Die intellektuelle Rechte ist besonders engstirnig und profitiert darüber hinaus von der Unterstützung gewisser Medien und von Regierungen. Die Begünstigungen des Prinzen zu verdienen ist nicht einfach. Man muss der kritischen Imagination und der Selbstkritik abschwören, der Intelligenz, der Argumentation, der Reflexion, und für ein neues Dogma optieren: der neoliberalen Theologie.
Die Globalisierung verkauft sich, wie das für den besten der Welt möglich ist, aber da es ihr an konkreten Beispielen in bezug auf die Wohltaten für die Humanität ermangelt, muss sie beim Glauben und den neoliberalen Dogmen Zuflucht nehmen. Die neoliberalen Theologen schwören also ab und verfolgen die "Häretiker", die "Botschafter des Bösen", und könnten die Linksintellektuellen sein. Und gibt es ein besseres Mittel, als sie des "Messianismus" zu bezichtigen? Des "überholten Messianismus". Das Infragestellen wollen einer Gegenwart, die voller Freiheiten ist, wo jeder darüber entscheiden kann, was er kaufen möchte, Produkte von vordringlicher Notwendigkeit, Ideologien und politische Programme.
Aber das Paradoxum verzeiht nicht. Wenn es einen Messianismus gibt, dann ist dieser bei den Rechtsintellektuellen. "Der grosse Kreis der chemisch reinen Neo-liberalen Intellektuellen oder der Bekehrten Ex-Marxisten, wo die Trilaterale von Messianismus Zeugenschaft ablegen kann, wenn sie Fatalität eines Universums auf einer einzigen Wahrheit vorfertigen, dem einzigen Markt und der alleinigen Gendarmenarmee, die den Flash überwachen, der das Photofinale der Geschichte überwachen, das vor den allerschönsten Landschaften der alleroffensten Gesellschaften geschossen wird.!
Es folgt: Fotofinale. Oder die Schlüsselszene des Films der fragmentarischen Globalisierung.
Übersetzung: A.Lex. 12. November 2000
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