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Le Monde Diplomatique 557 - August 2000
www.monde-diplomatique.fr/2000/08/A/oxymoron.html
UNSER FOLGENDES PROGRAMM: OXYMORON!
Die rechten Intelektuellen und der Liberalfaschismus -
2. Teil
IV. Die hellsichtigen Blinden
Wenn man Régis Debray paraphrasiert, dann liegt das Problem nicht darin, dass die Globalisierung unvermeidlich ist, sondern darin, dass fast die ganze Welt damit übereinstimmt, dass sie unabwendbar ist. Eine mögliche Antwort darauf: "Die Technologie des Glaubenmachens (...). Die Macht der Information... In-formieren: Form geben, formatieren. Con-formieren: eine Konformität geben. Trans-formieren: eine Situation verändern ."
Auf die selbe Weise, wie man die Ökonomie globalisiert, globalisiert man auch die Kultur. Und die Information. Wie kann man verhindern, dass die Grossunternehmungen der Kommunikation über die ganze Welt ihre elektronische Leinwand "weben"? Ignacio Ramonet beobachtet: "Nicht Ted Turner von CNN, nicht Rupert Murdoch von der News Corporation Limited, nicht Bill Gates von Microsoft, nicht Jeffrey Vinik von Fidelity Investments, nicht Larry Rong von China Trust and International Investments, nicht Robert Allen von ATT, nicht einmal George Soros und die Dutzenden von neuen Herren der Welt haben jemals ihre Projekte der universellen Meinung untergeordnet ."
In der fragmentarischen Globalisierung sind die Gesellschaften grundlegend Mediengesellschaften. Die Medien sind der grosse Spiegel, der nicht zeigt, was eine Gesellschaft ist, sonder wie sie sein sollte. Sie geht von Tautologien und Offensichtlichkeiten nur so über, und ist doch geizig wenn es um Begründungen und Argumente geht. Für sie bedeutet wiederholen mit Nachdruck veranschaulichen. Und das sind die Bilder, die sich wiederholen, wie die grauen Bilder auf dem globalen Bildschirm. Régis Debray sagt uns: "Die Gleichung der visuellen Ära ähnelt dem: das Sichtbare = Realität = Wahrheit. Und das ist die überschwängliche und wiedergesehene Verehrung (wahrscheinlich umdefiniert) ." Die Intellektuellen der Rechten haben die Lektion sehr gut verstanden. Das ist sogar eines der Dogmen in ihrer Theologie.
Wann hat man das gesehen, dass das Sichtbare mit der Wahrheit gleichzustellen war? Das sind die "Spezialeffekte" auf dem globalen Bildschirm. Die gesamte Welt und das universelle Wissen sind in der Reichweite eines jeden mit einem TV und Laptop-Computer. Ja, aber nicht irgendeine Welt und nicht irgendein Wissen. Régis Debray erklärt, dass sich das Zentrum der Informationsgravität sich vom Geschriebenen ins Visuelle verschoben hat, von der Aufzeichnung zur Direktübertragung, vom Zeichen zum Bild. Die Vorteile der Rechtsintellektuellen -und die Nachteile der fortschrittlichen Denker- sind offensichtlich.
Indem man die Informationspolitik Frankreichs während des Golfkrieges analysiert, enthüllt man die Macht der Medien: zu Beginn des Konflikts zeigten sich 70% der Franzosen dem Krieg gegenüber feindlich eingestellt; am Ende war es derselbe Prozentsatz, der dafür war. Unter dem Angriff der Medien hat sich die Meinung der Franzosen geändert und die Regierung hat deren Segen für ihre kriegsführerische Anteilnahme bekommen.
Wir durchleben eine "visuelle Ära". Die Informationen werden uns in der Evidenz ihrer Unverzüglichkeit präsentiert. Wenn das, was sichtbar wird, wirklich ist, dann ist das, was wir sehen, wahr. Es gibt da keinen Platz für eine kritische Reflexion; es gibt überall zusätzlich einen Platz für die Kommentatoren, die für "Komplettierung" der Lektüre der Bilder zuständig sind. Das Visuelle ist nicht dazu geschaffen worden, um gesehen zu werden, sondern um "bekannt" zu machen. Die Welt ist eine reine multimediale Repräsentation geworden, die dazu in der Lage ist, in dem Masse bekannt zu werden, wie sie gesehen wird. Sehen heisst begreifen. An der Morgendämmerung des 3. Jahrtausends ist das die vorherrschende Philosophie unserer "modernen" Welt des absoluten Idealismus.
Einige Schlussfolgerungen: falls er legitimiert werden will, muss der neue Rechtsintellektuelle seine Funktion in der sichtbaren Ära ausüben. Er muss für das Direkte und Unverzügliche optieren, vom Zeichen zum Bild schreiten, und von der Reflexion zum televisionären Kommentar übergehen. Er braucht keine Anstrengungen zu unternehmen, um eine totalitäres System zu legitimieren, das brutal, genozidär, rassistisch und intolerant ist. Die Welt, das Objekt seiner "intellektuellen Funktion", das ist die, die von Medien dargestellt wird: eine virtuelle Repräsentation. Auch wenn sich die Staatsnation im Megamarkt der Globalisierung wie ein Unternehmen definiert, die Regierenden wie dessen Verwalter, die Militärs und die Polizisten wie Sicherheitsbeauftragte - die Domäne gesellschaftlicher Aspekte kommt wieder der Rechten zu, der intellektuellen Rechte.
In anderen Worten, zur Zeit der Globalisierung sind die Rechtsintellektuellen "vielfältig": sie sind die Totengräber der kritischen Analyse und der Reflexion, sie sind die Feuerschlucker der neoliberalen Theologie, sie sind die Souffleure der Regierungen, die den "Skript" vergessen haben, sie sind die Kommentatoren des Evidenten, sie sind die Unterstützer der Soldaten und der Polizisten, sie sind die Schiedsrichter, die sagen "wahr" oder "falsch" gemäss ihrer Übereinkunft, sie sind die Theorienhüter des Korps des Prinzen, und die Darsteller einer "neuen Geschichte".
V. Die vergangene Zukunft
"Bücher zu verbrennen und Festungen zu errichten ist eine gewohnheitsmässige Aufgabe für Prinzen", sagt Jorge Luis Borges. Und er fügt hinzu, dass alle Prinzen wollen, dass die Geschichte mit ihrer Regentschaft beginnt. Im Zeitalter der fragmentarischen Globalisierung verbrennt man die Bücher nicht mehr (obwohl man Festungen errichtet), aber man ersetzt sie. Auf diese Weise befiehlt der neoliberale Prinz seinen Intellektuellen, anstatt die Geschichte, die der Globalisierung vorangeht, zu beseitigen, von dieser eine Kopie zu verfassen, und das auf eine Weise, dass die Gegenwart die Krönung für jegliches Zeitalter ist.
"Die historischen Übertüncher", das ist es, wie Luis Hernández Navarro einen Artikel benannt hat, der einer Debatte mit den Rechtsintellektuellen in Mexiko zur Gelegenheit der unlängst erfolgten Präsidentenwahl gewidmet wurde. Ausser dem Faktum, dass er den gegenwärtigen Text ins Leben gerufen hat (geschrieben in der Intention, seiner Anspielung eine Fortsetzung zu geben), mahnt uns Hernández Navarro zur Vorsicht: die neue intellektuelle Rechte richtet die Rohre ihrer Artillerie in Richtung der Repräsentanten der mexikanischen Linksintellektuellen.
In Mexiko erfreuen sich die Linksintellektuellen eines grossen Einflusses. Sie sind lästig, und das ist ihr Delikt. Oder vielmehr handelt es sich dabei um eines ihrer Straftaten. Eine andere ist ihre Unterstützung für den Kampf der Zapatisten. "Der Aufstand der Zapatistenbewegung ist der Beginn einer neuen Etappe, das ist die des Aufstands der indianischen Bewegungen als Oppositionsakteure gegen die neoliberale Mondialisierung. "Wir sind weder die Besten noch die Einzigen: es gibt auch noch die Indios aus Ecuador und aus Chile, die Demonstrationen in Seattle und in Washington (und diejenigen, die noch folgen werden). Wir sind eines der Bilder, die den Mega-Bildschirm der fragmentarischen Globalisierung in seiner Ebenmässigkeit beeinträchtigen.
Als Folge davon hat der Prinz seine Befehle diktiert: "Greift sie an! Ich stelle die Armee und die Medien zur Verfügung; ihr bringt die Ideen ein." Auf diese Weise verbringen die Rechtsintellektuellen ihre Zeit damit, diejenigen der Linken zu verunglimpfen. Und weil der Zapatismus eine internationale Wirkung ausübt, will die intellektuelle Rechte unsere Geschichte übertünchen, sie nach den Wünschen des Prinzen neu schreiben.
Octavio Paz hat diese Mission in hervorragender Weise erfüllt. In seinen Erklärungen vom Beginn des Jahres 1994, hat sich der Schriftsteller gegen die progressiven Intellektuellen ausgelassen: "sie" wären verantwortlich für "das Klima der Gewalttätigkeit", die das Jahr 1994 gekennzeichnet haben (und alle die Jahre des modernen Mexiko, aber die intellektuelle Rechte hat noch niemals mit ihrem Erinnerungsvermögen brilliert, wenn es um die Geschichte gegangen ist). Einige Jahre später, bevor er verstorben ist, hat Paz bereut und er hat anerkannt, dass das System in der Krise sei und dass, sogar ohne die Erhebung der Zapatisten, diese Ereignisse auf jeden Fall stattgefunden haben würden.
Was verkünden die grauen Bilder auf dem Mega-Bildschirm von der Mondialisierung?
VI. Der liberale Faschismus
Wir haben diesen Film bereits gesehen, dass wir uns seiner nicht mehr erinnern, liegt daran, dass Geschichte keine attraktive Ware in einem globalen Markt ist. Das nunmehr graue Bild könnte bedeuten: Das Wiederauftreten des Faschismus.
Paranoia? Umberto Eco, in einem Text mit der Überschrift "Der ewige Faschismus", gibt einige Anhaltspunkte, um zu zeigen, dass der Faschismus immer latent vorhanden ist. Nachdem er zu verstehen gegeben hatte, dass der Faschismus eine Form von diffuser Totalitarität sei, definiert er dessen Charakteristiken: dieser Verweigerung der Wissenserweiterung, Irrationalismus, Misstrauen der Kultur gegenüber, Angst vor der Unterschiedlichkeit, Rassismus, individuelle oder soziale Frustration, Xenophobie, Elitärismus, Aristokratie, Machogehabe, individuelle Selbstaufgabe zugunsten der Sache, qualitativer Populismus, der durch das Fernsehen verschwommen dargestellt wird, "Spracheintönigkeit" (eingeschränkte Wortwahl und elementäre Syntaxis.)
Das sind die Werte, die von den Rechtsintellektuellen verteidigt werden. "Macht man sich nicht heute wie gestern die demokratische Abgeschlafftheit zunutze, die Übelkeit vor dem Nichtigen, die Verwirrung vor der Unordnung als Vorwand für einen neuerliche historische Ausnahmesituation, die einen neuen überzeugenden Autoritaritatismus erfordert, ein Gleichschalter von Menschen, die Klienten und Konsumenten in einem System geworden sind, einem Markt, einer zentralisierten Repression?"
Betrachten Sie den Mega-Bildschirm, diese ganzen Grautöne sind die Antwort auf die Unordnung. Die Aufrufe der Rechtsintellektuellen zu "Ordnung und Legalität" sind überall zu vernehmen. Ist Europa neuerlich in den Fängen des Faschismus? Ein furchtbarer und entfernter Traum. Bilder des gigantischen Bildschirms. Diese Skinheads und deren kahlgeschorene Köpfe in dieser Strassenecke, sind sie in Deutschland, in England, in den Niederlanden? "Es handelt sich um Kleingruppen und sie sich unter Kontrolle", versichert der Kommentator. Aber der wiedererstandene Faschismus erscheint nicht jedes Mal mit dem rasierten Kopf und dem tätowierten Körper. Auch wenn er herzeigbar ist, legt er doch Zeugenschaft von einer düsteren Rechten ab.
Wenn ich sage "düstere Rechte", dann werden Sie denken, dass ich mit den Worten einen schlechten Scherz treiben würde (aus dem Lateinischen sinistra: links), und dass ich versuchen würde, einen Oxymoron zu machen. Ich versuche Ihre Aufmerksamkeit auf das zu lenken: nach dem Fall der Berliner Mauer hat sich das politische Spektrum in Europa damit beeilt, sich dem Zentrum anzunähern. Das ist offensichtlich, was die traditionelle Linke angeht, aber das war gleichermassen der Fall bei den Parteien der Extremen Rechten. Diese Partein haben sich darum bemüht, ein neues Image zu malen, dass von ihrer gewalttätigen und autoritären Vergangenheit entfernt ist. Und sie haben sich um die neo-liberale Theologie gescharrt, indem sie in ihren Wahlkampagnen auf die öffentliche Sicherheit und mit der "Bedrohung" durch die Immigration mit Nachdruck hingewiesen haben. Waren die Aussagen der Sozialdemokraten anders?
Hinter diesen Verhaltensweisen versteckt sich der Faschismus, genauso wie er sich hinter einer Linken verbirgt, die sich nicht gegen den Neo-Liberalismus behaupten kann. Der berühmte "Mittelweg" wird hier nicht nur hier und da beschritten, der für die Linke fatal ist, sonder er könnte zur passenden Gelegenheit eine Abschussrampe für den Neofaschismus darstellen.
Ich übertreibe vielleicht, aber habe den Verdacht, dass dieses vermehrte Auftreten an grauen Bildern auf dem Schirm zur Absicht hat, unser Gedächtnis auszuschalten, es verschwommen zu machen und vergesslich. Es ist alles sichergestellt, dass es ihnen nicht an Brot ermangelt, an Salz... und für einen Platz an der rechten Seite des Prinzen. Es ist unbedeutend, dass sein Hemd grau ist, und dass an seiner Brust ein Schlangenei ausgebrütet wird.
Schlangenei. Wenn ich mich recht erinnere, handelt es sich dabei um einen Filmtitel von Ingemar Bergman, der den Nazismus in dessen Entstehung beschrieb. Und was machen wir? Wir bleiben in sitzender Position, um auf das Ende des Films zu warten? Ja? Nein? Einen Moment bitte! Betrachten Sie die anderen Zuseher! Viele von ihnen haben sich erhoben, und bilden Gruppen! Ein Durcheinander bricht aus! Einige unter ihnen werfen Gegenstände auf den Bildschirm und andere pfeifen! Und sehen Sie diese da! Anstatt sich zum Bildschirm hin zu begeben, machen sie sich davon! Sie suchen den Filmvorführer! Man könnte sagen, dass sie diesen gefunden haben, da sie beharrlich in eine Ecke zeigen, da oben! Wer sind diese Personen, und mit welchem Recht stören sie die Vorführung? Einen von ihnen fuchtelt mit einem Plakat herum: "Wir, die Bürger, übernehmen das Wort und die Initiative. Mit der gleichen Energie und mit der gleichen Kraft, die mit der Einforderung unserer Rechte einhergehen, fordern wir auch das Recht auf unsere Pflichten". "Das Recht auf unsere Pflichten? Wer kann uns das erklären? Schweigen! Ein anderer ergreift das Wort...
VII. Skeptische Hoffnung
Die Aufgabe der fortschrittlichen Denker, das ist die der skeptischen Hoffnung, ist nicht sehr einfach. Sie haben das Funktionieren der Dinge begriffen und, Adel verpflichtet (noblesse oblige, wie die Franzosen sagen würden, Anm.), müssen sie das zum Vorschein bringen, es aufzeigen, es bekannt machen, es kommunizieren. Aber um das zu tun, müssen sie die neoliberale Theologie angreifen, und nach ihr die Medien, die Banken, die grossen Betriebe, die Armee, die Polizei.
Und das alles inmitten der visuellen Ära. Hier ist er, der Nachteil: gegen die Macht des Bildes anzukämpfen, und das nur mit einem Hilfsmittel, mit dem Wort. Aber ihr Skeptizismus hat es ihnen bereits erlaubt, die Falle zu umgehen. Bewaffnet mit dem selben Skeptizismus in ihren kritischen Analysen zerpflücken sie konzeptuell den Apparat der virtuellen Schönheit und der reellen Miseren. Gibt es hier einen Grund, der zum Hoffen Anlass gibt?
Dass die Parole scharf wie ein Laserstrahl wird und ein Megaphon ist bereits eine gigantische Aufgabe, da das Bild in unserer Zeit alles dominiert. Und der Despotismus im visuellen Zeitalter über das Wort an die Scherzmagazine und Attrappen weiter. "Mit dem Wort beschreiben wir unsere Niederlagen und unsere Widerstände, da wir keine anderen Möglichkeiten haben, da die Menschen in unverbesserlicher Weise offen für die Sprache sind, und weil, und das nach und nach, diese unsere Urteilsfähigkeit beeinflusst. Unser Urteil, dieses wird von denen so häufig gefürchtet, die an der Macht sitzen, es kristallisiert sich langsam heraus, wie das Bett eines Stromes, ausgehöhlt durch den Fluss der Worte. Aber die Worte verursachen keine Bewegung, ausser sie sind vollkommen glaubwürdig.
Glaubwürdigkeit. Das ist eine der Qualitäten, die der intellektuellen Rechten abgeht und die, und das zum Glück, bei den Linksintellektuellen im Überfluss vorhanden ist. Ihre Worte erzeugen bei vielen zuerst einmal eine Überraschung, und dann Beunruhigung. Und diese Beunruhigung darf durch den Konformismus im visuellen Zeitalter nicht aufgehoben werden. Die sozialen Widerstandsbewegungen gegen die Macht (gegen die Globalisierung und den Neoliberalismus) müssen einen lagen Weg durchlaufen; nicht um an ihr Ende zu gelangen, sondern um ihre Position als organisatorische Alternative zu konsolidieren.
Der progressive Intellektuelle befindet sich unentwegt im Konflikt zwischen Narzissmus und Prometheus. Manchmal holt ihn das Bild des Spiegels wieder ein und dann beginnt seine unerschöpfliche Verwandlung in einen neuen Soldaten des neoliberalen Supermarktes. Es passiert ihm auch, dass er den Spiegel zertrümmert und dann nicht nur die Realität entdeckt, die sich dahinter verbirgt, sondern die anderen, die nicht so sind wie er, und die ebenfalls ihre eigenen Spiegel zerschmettert haben.
Die Transformierung einer Realität kann nicht die Angelegenheit eines einzigen Akteurs sein; wie stark, intelligent, kreativ und visionär dieser auch immer sein mag. Nicht die politischen und sozialen Akteure, nicht die Intellektuellen sind ausreichend, um diese Umwandlung zu einem guten Ende zu führen. Es ist eine kollektive Arbeit. Nicht nur in der Aktion, sonder in der Analyse dieser Realität, und in den Entscheidungen dieser Transformierungsbewegung.
Man sagt, dass Michelangelo seinen David gemeisselt hat, obwohl er schwerwiegende materielle Restriktionen in Kauf nehmen musste. "Das Stück Marmor, an dem Michelangelo gearbeitet hat, hatte zuvor schon jemand anderem gedient, und es war stellenweise schon durchlöchert; das Talent des Bildhauers bestand darin, eine Persönlichkeit zu schaffen, die eine Rechtfertigung für diese Beschränkungen darstellte; und das erklärt die Körperhaltung des vollendeten Stückes.
Bei der Welt, die wir transformieren wollen, verhält es sich gleich, auch sie ist durch die Geschichte bereits bearbeitet worden, sie ist ganz ausgehöhlt. Wir müssen das notwendige Talent finden, um sie trotzdem zu verändern, sie zu transformieren und eine neue Welt zu kreieren.
So, das wär's gewesen. Alles Gute und vergessen Sie nicht, dass Ideen auch Waffen sind.
von den Bergen im südosten Mexikos
Subcommandante Marcos
Mexiko, April 2000
P.S.: Hat vielleicht jemand zufällig einen Hammer bei der Hand?
Übersetzung: A.Lex |
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