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Rede von Erika Pluhar im Rahmen der Verleihung der goldenen Ehrenmedaille der Stadt Wien:

Liebe Freunde.
Werte Anwesende.
Lieber Peter Marboe.

Ich nehme diese goldene Ehrung der Stadt Wien mit Dank entgegen, und fühle mich durch sie auch geehrt. Seit ich lebe, lebe ich in Wien. meine kurzen Ausflüge waren meist nur beruflicher Natur, ich habe hier - wie man so schön sagt - mein Leben verbracht, und ich bin also mit dieser Stadt - wie man ebenfalls so schön sagt - verwoben.

Deshalb erleichtert es mich auch besonders, das Wien sich wie eine Art Bollwerk aus unserem derzeitigen Regierungsschlammassel - besser vielleicht: Regierungsschlam - hervorhebt. Hier haben zwei ÖVP-Männer als einzige Charakter bewiesen, hier hat der Un-Geist, der Feschismus (eine herrliche Wortschöpfung, finde ich!) noch nicht Einzug gehalten. Abgesehen davon, daß der Beschluß unserer heutigen Ehrung weit zurückliegt - hier, im Bereich der Stadt Wien, weiß ich auch im gegenwärtigen, daß nicht unsere derzeitige Regierung es ist, die mich ehren will. Und ich werde alles daran setzen, daß ihr so eine Idee zu meiner Person auch niemals kommen wird.

Freunde, wir leben in Zeiten, die sich ausdehnen werden. Der Glanz des derzeitigen Demonstrierens, dieses bewegten Widerstandes - wobei mich persönlich der der einfachen Staatsbürger, wie immer, tiefer berührt als der notwendige, aber voraussehbare und medienbewußte Widerstand der Künstler - wird einem trüben anhaltenden Zustand weichen. Dem Soog von Häßlichkeit, Haß und Niedertracht, der Schwerkraft der eigenen Müdigkeit nicht zu gehorchen, darauf wird es in nächste - und vielleicht noch lange zeit ankommen. Und wir Menschen neigen leider so sehr dazu, nach einem gemeinsamen einander befeuernden Schrei der Empörung den eigenen, einsamen, täglichen Widerstand und Aufschrei im kleinen wider verklingen zu lassen.

Werdet nicht müde. Darum möchte ich alle bitten, die von der derzeitigen Situation Österreichs angeregt und aufgeregt, oder wirklich schmerzhaft betroffen sind. Nicht Mediensensation ist die Aufforderung. Sondern konsequentes, möglichst kluges, möglichst schlaues politisches Handeln und Wissen sich zu erwerben und an andere weiterzugeben. Eine Opposition zu schaffen, die einhellig ist, und der Regierungs-Partie keinen Parteienkampf gegenüberstellt. Es wird noch lange so aussehen, als hätte sich in diesem Land nicht allzuviel geändert. Als wäre eh alles beim Alten. Nur mit neuen Namen und Vorzeichen. Es wird so aussehen. Die Veränderungen werden lange nicht sichtbar sein, aber sie geschehen kontinuierlich. Man sieht es nicht, wie ein Blatt welkt. Aber plötzlich ist es braun.

Ich weiß, es ist schwer, den eigenen Lebensstandard, die eigene Lebensposition zu riskieren. Riskieren wir gemeinsam - so, wie wir gemeinsam demonstriert haben. Lassen wir uns von einer Macht, die nur aus Bemächtigung besteht, nicht in Angst versetzen. Behalten wir sie im Auge. Und dieser beständige Blick wird irritieren, wenn er schonungslos klar auf sie gerichtet bleibt. Nur nicht selbst die Augen niederschlagen. Werdet nicht müde!

Erika Pluhar, am 24. Februar