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Polizei
Liebe Leute,
ich sende ja selten mails an den Verteiler, aber heut' ist es einmal wieder
angesagt. Ich hab' den Eindruck, dass diese Beobachtungen nicht ungesagt
bleiben dürfen.
Am Freitag ist wiedermal ein junger Mensch durch die österreichische
Polizei zu Tode gekommen, es war bereits der dritte innerhalb von zwei
Wochen. Diesmal wurde er nicht durch unterlassene Hilfeleistung getötet,
sondern aktiv, durch einen Schuss aus nächster Nähe - bleibt zu sagen bei all
den geringen Details, die bekannt sind, dass er unbewaffnet war und die
Polizei sich damit entschuldigt, dass es ohnedies unbeabsichtigt geschehen
sei...
Samstag war wie jeden Samstag Volkstanz-Demo am Heldenplatz, davon spaltete
sich eine spontane Demonstration ab, die zum Innenministerium gehen wollte,
um auf den Tod dieses Menschen aufmerksam zu machen.
Alles ging sehr schnell: die Demo wurde zunächst nicht durch das Burgtor
gelassen und schliesslich, nachdem sie einen andern Weg eingeschlagen hatte,
in der Herrengasse eingekesselt. Es war ungeheuer viel Polizei da. Die
Polizisten waren nicht wenig aggressiv. Als die Polizisten dazu übergingen,
Menschen zu attackieren, die ausserhalb des Kessels standen und Sprechchöre
skandierten, bin ich zu einem der besonders aggressiven Beamten hingegangen,
um die Situation zu deeskalieren - er hatte wiederholt auf Umstehende
eingeschlagen, die nichts
weiter getan hatten als laut zu rufen.
Ich habe den Beamten, den ich nicht kannte, gesietzt, er hat mich mit mit Du
angesprochen, allerdings erst nachdem er mich geschlagen hatte (mit
Schlagstock und Schild) und wiederholt auf mein Fahrrad eingetreten hatte.
Ich hab' den Beamten, wiederum höflich, mit "Sie" und "bitte" aufgefordert,
mir seine Dienstnummer zu geben, was er verweigerte. Als andere mit Kameras
auftauchten, um ihn zur Identifikation zu photographieren, tauchte er sofort
in die dritte Polizistenreihe ab und wurde von seinen Kollegen jeweils so
gegen die Kameralinsen mit den Schilden gedeckt, dass es keine Möglichkeit
gab ihn erkennbar auf Film festzuhalten. Es wurden trotzdem Photos
geschossen, man wird sehn was erkennbar ist. Tatsache bleibt, dass auch mein
Fahrrad beschädigt wurde, dank seiner Stiefel. Zeugen bezeugen, dass mein
Verhalten ausgesprochen korrekt war.
So ist das, wenn man im Augenblick etwas dagegen hat: gegen die neue
Regierung, gegen die massive Ungerechtigkeit in diesem Land, gegen das
abhandenkommen von demokratischen Grundrechten etc.
Den Rest brauch ich nicht zu schreiben, nur diese Gegebenheit wollt' ich
loswerden.
Mail von roter.stern@gmx.net via Mund - 22. Mai 2000 |
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