Wie Zivil ist der Dienst?
"Nur dadurch, dass Zivildiener so eine
wertvolle und eigentlich nicht mehr wegzudenkende Arbeit für Österreich und sein
soziales Netz leisten, gibt es noch eine Wehrpflicht. Der Zivildienst hat den
Präsenzdienst (bis jetzt) gerettet !" (von "Ende der Wehrpflicht"auf
zivildienst.at )
Von der Gewissensfreiheit zur gewissen Freiheit
In den 70 er Jahren gab es eine antimilitaristische Bewegung die Pazifismus
und Gewaltfreiheit thematisierte. Eine der Folgen war ein Volksbegehren zur
Abschaffung des Bundesheeres, unter anderem initiiert von Günther Nenning. Die
Unterschriften verschwanden auf mysteriöse Weise.
Nachdem die SPÖ unter Bruno
Kreisky die Wahlen, auch mit dem Slogan, "6 Monate Wehrpflicht sind genug",
gewonnen hatte, beruhigten sich die Gemüter ein wenig. Die Forderungen wurden
abgeschwächt. Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Forderung nach dem Recht
auf Wehrdienstverweigerung und die Schaffung eines zivilen Alternativdienstes.
Das Militär und das Problem der Kriminalisierung von Wehrdienstverweigerern
stand dadurch weiterhin im Blickpunkt der Öffentlichkeit.
Vorerst waren die Militärs strikt gegen den Zivildienst. Richtige Männer
hätten durch "die Schule der Nation" zu gehen und das Vaterland zu verteidigen.
Wehrdienstverweigerer wurden als "Drückeberger und Vaterlandsverräter"
beschimpft. Die entsprechenden Gesetze tragen aber klar die Handschrift
militärischer Interessen. Der Zugang zum Zivildienst wurde durch ein Tribunal
namens Zivildienstkommission geregelt, welches vorgab das Gewissen der
Antragsteller zu prüfen. Dass dies ein Ding der Unmöglichkeit ist, war allen
klar. Dieses Instrument diente schlicht dazu den Zugang zu reglementieren und
die "Wehrfähigkeit" aufrecht zu erhalten.
Im nächsten Schritt entstand 1974 die "umfassende Landesverteidigung" (ULV)
bestehend aus militärischer, wirtschaftlicher, geistiger und ziviler
Landesverteidigung. Dem Zivildienst werden im Rahmen der zivilen
Landesverteidigung auch infrastrukturelle Tätigkeiten im Kriegsfall zugewiesen.
Aus der Forderung nach nichtmilitärischen Konfliktlösungen wurde die
Umstrukturierung der Landesverteidigung, deren Schwerpunkt unverändert ein
militärischer ist. Im großen und ganzen ist diese Konstruktion nach wie vor
gültig.
Es ist wenig verwunderlich, dass der Zivildienstantrag nach wie vor an das
Militärkommando zu stellen ist. Die militärische Musterung klärt weiterhin die
physische und psychische Eignung der Bewerber. Geändert haben sich nur die
Bedingungen unter denen Zivildiener arbeiten und die Schwerpunkte der
Einsatzbereiche, die sie an anderer Stelle nachlesen können.
In den 70 er Jahren wurde also der Grundstein für das aktuelle Dilemma
gelegt. Ausgehend von militärischen Überlegungen wurden im Sozialbereich
Abhängigkeiten geschaffen, die heute nur schwer aufzulösen sind, - vor allem
dann, wenn der Staat sich aus der Verantwortung für ein Problem ziehen will,
dass er selbst geschaffen hat.
Helmut Heiland, am 30. März 2000
Links
Was kommt nach dem Zivildienst?
Friedenslinks
Infos zur geplanten Zivi -
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Interessensgemeinschaft österreichischer gemeinnütziger Vereine