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Politisierung der Zivilgesellschaft?

So wie das Wort Zivilgesellschaft in Publikationen bisher verwendet wurde, handelt es sich dabei um ein von unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen, hart umkämpftes Terrain. Zugespitzt formuliert ist auch der Opernball ein Teil davon. Alex Demirovic stellte bewusst ironisch eine Bürgergesellschaft dar, in der Menschen in Eigeninitiative ihr eigenes Hallenbad errichten. Was auf den ersten Blick sehr positiv erscheint, hat einige Tücken, da die Selbstbescheidung der Zivilgesellschaft letztendlich auf die Trennung von Staat und Gesellschaft hinauslaufen kann. Die aktuelle Regierung will im Grunde genau das erreichen. Andreas Khols Bürgergesellschaft und Jörg Haiders "Tüchtige und Fleissige" brauchen keinen Wohlfahrtsstaat, denn sie sorgen ja für sich selbst. In gespenstischer Einigkeit geht so mancher kritische Intellektuelle ungewollt mit der blau-schwarzen Regierung Hand in Hand an die Zerschlagung der Sozialpartnerschaft, ohne politische Alternativen aufzuzeigen.
Prof. Alex Demirovic meinte, er schliesse natürlich nicht aus, dass aus der Bewegung gegen die Regierung auch etwas ganz anderes entstehen könne. Wichtig sei es, die Bewegung langfristig und auf der Basis politischer Alternativkonzepte anzulegen.

Endlich ist man einer der Guten, und schon kommt einer und rüttelt daran.

Bei der anschliessenden Diskussion war zu bemerken, dass einige sich von den Überlegungen Alex Demirovics auf den Schlips getreten fühlten. Zu gross ist offensichtlich schon die Identifikation mit dem Begriff "Zivilgesellschaft". Dabei wurde die Bedeutung der aktuellen Bewegung nicht in Frage gestellt, vielmehr verstand ich es als Anregung einen Schritt weiterzugehen und offensiver politische Konzepte und Utopien voranzutreiben.
Beleidigt sein ist scheinbar ein Teil der "österreichischen Seele" und verstopft die Ohren.

Helmut Heiland 16. März 2000