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"Nicht alles ist Spaß auf Erden"

Diese Artikelüberschrift im Rechts(ganzweit)außenblatt "Zur Zeit" hätte nicht erst auf Seite elf stehen müssen, sondern könnte vielmehr als Motto der gesamten Ausgabe vom 25.Februar gelten.

Die von Andreas Mölzer (Faulbett-Spezialist des Kärntner Landeshauptmannes) chefredigierte und gemeinsam mit Botschafter J.J.Dengler und Bundesrat J.Gudenus herausgegebene Zeitung läßt an Deutlichkeit wenig zu wünschen übrig.
Wes Geistes Kind die Autoren sind, braucht man nicht erst mühsam zwischen den Zeilen herauszulesen. Kurt Dieman beispielsweise macht hier den Staberl für rechte Intellektuelle.
Von "Linksfaschisten, Kulturbolschewiken und Hurenliberalen ", die im ORF einen "abscheulichen Kulturkampf" führen ist da die Rede. Auch ein wenig unzufrieden scheint der Autor über die Bestellung "der bekennenden Lesbe und Freundin des Ersatzdragoners Johann(a) Dohnal" in eine Führungsposition . Der nächste Dorn im Auge ist "das schießfreudige Amazonerl" Monica L. "die Nachfolge der ungustiösen Figur".
Der freundliche Ton und die vornehme Wortwahl durchpulst auch den Rest des netten Artikels, dessen erster Satz blöderweise einen kleinen Orthographielapsus enthält: "In unseren Jahren muß man froh sein, wenn man noch so gut reden uns schreiben kann!" Ja, das finden wir auch allah.

Besonders schön ist auch ein unter Pseudonym geschriebener kleiner, feiner Beitrag auf der letzten Seite. Über die Frechheit der Tochter des ehemaligen Bärentalbesitzers, die die Stirne hat, die Rechtmäßigkeit der gegenwärtigen Eigentumsverhältnisse in Zweifel zu ziehen, ist da zu lesen. Viel schlimmer aber als dieser Einzelfall scheint der/m Verfasser/in Rückforderungen von arisierten Wohnungen zu sein, wo diese Wohnungen doch nach dem Kriege "in Schutt und Asche lagen und für ihre Vorbesitzer wenig erstrebenswert waren". Eine schöne Schlußfolgerung, die man allgemein auf Fälle von Diebstahl umlegen sollte. (was, ihna auto hod er ihnen gstoihn, aber gnä frau , er hats ja dann zsammghaut, was wollens jetzt a wrack?)

Auf Seite 9 gibt's zum drunterstreuen noch ein Fachgesimpel über die Rassen. Nicht um Hunde geht es, sondern um "Latinos, Neger und Juden", die Schließung des Rassensaales im Naturhistorischen Museum wird gleichermaßen bedauert wie die Definition der Volkszugehörigkeit über das Bekenntnis. Letzteres ist ja auch in der Tat besonders gefährlich: "...daß also ein Neger zum Chinesen werde, wenn er sich zum Chinesischen Volk bekenne. Die Wirklichkeit kann man nicht dadurch ungeschehen machen, daß man sie leugnet. Der politisch korrekte Mensch stellt sich unter eine Felswand und statuiert, um dem Steinschlag zu entgehen, daß der Stein nach oben fällt" aha, und jetzt kommt die Ernüchterung "Spätestens, wenn ein Stein ihn trifft, wird er eines besseren belehrt."

An dieser Stelle hat mich längst nicht ein Stein, sondern die Erleuchtung getroffen wie eine germanische Keule. Zum Glück hab ich die Zeitung von hinten zu lesen begonnen, nicht nur weil ich so die rechte Hand zum Umblättern nehmen kann, sondern auch, weil ich jetzt erst ideologisch gewappnet bin für die Tagespolitik auf den ersten Seiten.
Mit schonungsloser analytischer Schärfe werden hier die Machenschaften der "Gutmenschen, der Zeitgeist-Linke, voran die Kulturschickeria, des Muzicantenstadels" und was sonst an Zündlern und Hetzern unser (deutsches) Land madig macht, aufgedeckt und maßvoll kritisiert.

Dazwischen finden sich einige schöne Inserate, wie beispielsweise die Einladung zum 44.Farbenkränzchen der Burschenschaft Arminia Villach, Ehrenschutz Herr Landeshauptmann oder eine unwiderstehliche Aufforderung zum Besuch eines Bischof- Krenn- Vortrages. Hui, da wären wir aber gern dabei.
Verlagsinserate lockern die Publikation zusätzlich auf , so wird eine Speer-Biographie feilgeboten, die "Geschichte der deutschen Panzerwaffe", der Zeitgeschichtsklassiker "Reichsverteidigung 44/45", die "einzigartige Enzyklopädie Kunst in Deutschland 1933- 1945", mit einem Wort ein wirklich schönes Körberl an ausgewogenen Zimelien darf man sich da fürs Eichenregal bestellen.

Alles in allem kann man mit Fug und Recht von einer abgerundeten Melange sprechen, beim Kaffee beschwert sich bittschön auch keiner über die braune Farbe.

Als besonderes Zuckerl betrachte ich auch die couragierte Idee von Bezirksvorsteherstellvertreter Helbich , die gute Mär auch im Amtshaus für den 3.Bezirk zu verbreiten. Dort ist die Zeitung aufgelegt, nebst einem Hinweis, er hätte auch das Tatblatt gerne ausgelegt, um dem Volke zu zeigen, was alles erlaubt ist, aber leider hat er keinen Quellennachweis finden können. Ich hoffe, dem Manne kann in dieser Causa geholfen werden.

nachsatz 1:
"ewiggestrige" sind im übrigen jene, die im 68er jahr steckengebliebenen sind, siehst, weiß ich das auch sag ich mir, bin ich doch 68 nicht steckengeblieben sondern rausgekommen, gehöre somit sowohl zu internet- als auch 68er-generation und bin halt froh wenn mir einer was erklärt.
nachsatz 2:
Das eigenartige an der geschichte ist, daß die unverhohlene art der ganzen zeitung zwar die geisteshaltung nicht sympathisch macht, aber einem wenigstens das gefühl geben,, daß man weiß woran man ist. Allemal besser als die offiziellen parteistatemants der f-bewegung, f- partei oder fpö, wie sie sich eben gerade nennt. Dort heißts mal so mal so. hier sind sie wenigstens konsequent.
nachsatz 3:
Something quite different. Bin ich der einzige, der das ö im fpö schriftzug für ein paar würstel hält? fp-würstchen pflege ich zu sagen. bild ich mir alles vielleicht nur ein?
nachsatz 4:
hat jemand von euch berufsdemonstranten die wochenendpresse wenn schon nicht bezahlt so doch gelesen? Da war ein interessanter artikel über die nlp-technik im fpö-wahlkampf und in der internen schulung. quite spooky.
Nachsatz 5:
lar hab ich mir heute die nächste ausgabe "zur zeit" vom bezirksamt geholt, am heimweg diskret im "falter" versteckt und an der tugendterroristischen kontrolle meiner linkslinken gattin vorbeigeschmuggelt. Wer nicht im dritten wohnt, poor you, muß 24 schilling anlegen, oder man wendet sich an den jeweiligen f-bezirkswart
letzter nachsatz, dann ist ruh:
beobachtung während der automatischen rechtschreibkontolle. statt einzigartig hatte ich einzigarisch stehen. werd mir wohl ein abo bestellen.

besten gruß r.reinagl (17/03/00)